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Fast Flip - Fluch oder Segen

reticon-Report von Dorothee Ragg -- [20.09.2009]

Es ist eher im Gegenteil so, dass viele Mails zwar schnell verschickt sind, sich aber der eigentliche Anlass nach einiger Zeit von selbst erledigt hat. So beschäftigt sich zunächst der Verfasser und dann der Empfänger einer E-Mail mit einem Problem - beide werden eine zeitlang von anderer Arbeit abgehalten und am Ende des Tages hätte sich der Betreff ohnehin von selbst erledigt. Nun mag so mancher denken, dass diese Tätigkeit doch nicht so lange dauert. Aber wenn man sich vor Augen führt, was dieses Phänomen weltweit bewirkt: Da summieren sich Sekunden zu Minuten und diese wiederum zu Stunden. Eine der Studien geht davon aus, dass ein Büroangestellter gegen Ende seines Arbeitslebens insgesamt dreieinhalb Jahre mit unnötigen Mails verbracht hat. Erschreckend!
Aktuell verkündet Google ganz stolz, dass (zunächst zwar nur auf Google-Labs) ein neues Zeitalter angebrochen ist, da es nun „Fast Flip“ gibt.
Hintergrund ist die Überlegung, dass der Aufbau von Nachrichten-Seiten zu lange dauert und man sich deshalb etwas ausgedacht hat, um die besten Elemente von Online- und Print-Artikeln zu kombinieren. So schreibt es zumindest Krishna Bharat, der Google-News-Erfinder in seinem Blog. In Screen-Shots werden nebeneinander News-Seiten eingeblendet, die sich durch einen Klick öffnen lassen. Dies soll das schnellere Durchblättern von Seiten ermöglichen. Neben den Screen-Shots wird natürlich Werbung eingeblendet, wie sollte es auch anders sein. In einzelnen Kategorien wie zum Beispiel Politik oder Unterhaltung lassen sich die Artikel bündeln. Doch kommt man tatsächlich schneller ans Ziel? Eine Frage, die sich weltweit wohl sehr viele Menschen stellen, denn für sie beginnt der Arbeitstag mit einem zeitintensiven Klick durch die News der Welt. Christian Stöcker von SPIEGEL-Online hält als ersten Eindruck „Desorientierung“ fest. Möchte man einen Artikel tatsächlich lesen, heißt es dann auch wieder zu warten, bis sich die Seite richtig aufgebaut hat. Ich fand es beim ersten Anschauen gar nicht so schlecht, denn man bekommt relativ schnell einen Überblick über mehrere Seiten. Auch wenn Google erst einmal den Eindruck erwecken möchte, durch Fast Flip den schwächelnden Verlagen unter die Arme greifen zu wollen, erscheint die Idee nur auf den ersten Blick uneigennützig. Vor allem bei Google werden die Kassen wohl klingeln. Zwar teilt man sich mit den Verlegern die erzielten Umsätze, aber die Werbung bei Fast Flip ist im Grunde eine direkte Konkurrenz zu den Verlagen. Nun heißt es abzuwarten, bis Fast Flip auch in Europa eingeführt wird, was im Moment noch nicht geplant ist. Jeder muss dann wohl selbst entscheiden, ob Fluch oder Segen.

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