Archiv reticon.de für die Jahre 2000-2012. Diese Webseite wird in dieser Form nicht mehr weitergepflegt und dient nur noch als Archiv für Recherchezwecke.
Die Homepges der NRW Spitzenkandidaten
reticon hat sich die Internetauftritte der Spitzenkandidaten von SPD und CDU angeschaut, um einen Einblick zu bekommen, wie sehr dort auf das Medium Internet gesetzt wird.
Für beide Politiker lässt sich sagen, dass sie wohl nicht zur Gründungsgemeinde des Internets gehören. Ihre Domains waren wohl schon weg, als man sich entschloss, im Internet aktiv zu werden. Bei www.ruettgers.de landet man bei einem gleichnamigen Sekthersteller (vielleicht ein Omen, wer weiss), www.steinbrueck.de führt zu einem EDV-Dienstleister. In der Kategorie Domain geht es unentschieden aus.
Dann auf zu www.juergenruettgers.de:
Erster Eindruck, eine einigermaßen solide gemachte Internetseite, überall runde Ecken, dezente Farbgebung. Rüttgers und seine Frau grüßen von einem Bild - im Hintergrund eine Kirche, so soll eine CDU Internetseite sein. Schaut man dann aber in den Quellcode, stellt man doch fest, dass hier handwerklich manches nicht so glücklich ist. Barrierefrei braucht man nicht in den Mund zu nehmen, schaltet man Javascript ab - verschwindet die Navigation.
Ok, wir lassen Javascript an und bekommen sofort nach dem ersten Klick in der Navigation die Breitseite: Von einer klaren Benutzerführung kann keine Rede sein. Einmal öffnet sich ein Popup, das nächste Mal geht der Inhalt im Contentbereich auf. Warum aber Veranstaltungen beispielsweise in ein Popup kommen und Termine nicht - das erschließt sich wohl nur dem Programmierer der Seite.
Öffnet man Veranstaltungen wird klar, dass hier nicht regelmäßig gearbeitet wird. Es finden sich ganze zwei Termine für Mai 2005, ein einziger für April 2005, für März kein einziger. Nächster Blick gilt dem Terminkalender und der erschließt sich auch erst bei näherem Hinsehen. Auf der ersten Seite präsentieren sich nämlich fünf abgelaufene Termine, erst auf Seite drei findet man die Termine für Ende Mai (die Menuführung ist vorsichtig gesprochen eigenwillig). Schaut man in die Pressemitteilung, sind die Meldungen der letzten beiden Monate die Gratulation zur Wahl Papst Benedikts und der Glückwunsch an den MSV Duisburg zum Aufstieg in die erste Liga. Der Bereich Politik bietet dann fünf Videostatements in Flash, eingebunden zu den Themen "Arbeit, Bildung, Sicherheit und Staat". Das Videotool erfreut sich auf den Folgeseiten dann auch großer Beliebtheit und wird exzessiv im Bereich "Bürger für Rüttgers" verwendet. Im persönlichen Bereich findet man neben einem Lebenslauf (der den streberhaften Vermerk enthält, dass Rüttgers dasselbe Gymnasium wie Adenauer besuchte) einen 24-Stunden Report aus dem Leben Rüttgers. Der Bereich Dialog entpuppt sich als wenig durchstrukturiertes Frage-Antwortspiel auf einer recht langen Seite, die nicht gegliedert erscheint.
Ein interessanter Nebenaspekt zum Schluss: Auf www.juergenruettgers.de findet sich kein einziges Material zum Ausdrucken. Alle politischen Statements stehen ausschließlich als Video zu Verfügung (wer kein Flash hat, hat eh verloren). Auf den anderen Inhaltsseiten wird das Ausdrucken erschwert, da das Popup die Browserbuttons unterdrückt.
Gesamtfazit: Mit der Internetseite kann man keinen Preis gewinnen, zwei Interpretationen sind möglich: Entweder legt man im Rüttgers-Lager keinen Wert auf den Internetauftritt oder Herr Rüttgers ist einfach nicht gut (um das Wort schlecht zu vermeiden) beraten worden.
Im Zweiten Teil widmen wir uns www.peersteinbrueck.de:
Beim ersten Aufruf ein für modernes Internet untypischer Aufbau - man
gelangt nicht auf die eigentliche Webseite sondern auf einer
Vorschaltseite. Peer Steinbrück grüßt mit einem Haufen lachender
Gesichter. Es gibt eine Box überschrieben mit "Ja, ich helfe mit! .."
und man kann seine PLZ und seine E-Mailadresse angeben. Was nicht klar
wird, ist, dass man hier einfach ein Newsletter abonnieren kann. Also
schnell weitergeklickt, um endlich auf die richtige Internetpräsenz zu
gelangen. Erster Eindruck ist, dass hier jemand mit peppigen Farben
gearbeitet hat, aber die Internetseite wirkt aufgeräumt und
überschaubar. Wir fangen einfach links in der Navigation mit der
Biographie an. Und kaum zu glauben, es öffnen sich Seiten, die gut
gestaltet sind, klare Benutzerführung. Die Texte sind
bildschirmfreundlich aufgeteilt, es besteht zudem die Möglichkeit
einzelne Dokumente als PDF herunterzuladen. Es findet sich ein
umfangreiches politisches Programm (und auch hier wieder als
PDF erhältlich). Wie immer schalten wir zwischendurch Javascript aus -
und oho die Seite funktioniert weiter. Barrierefreiheit scheint kein
Fremdwort zu sein, es findet sich sogar eine Seite, die zu dem Thema
Stellung bezieht. Man ist offensichtlich bemüht. Dann ein
vergleichender Blick in den Bereich Aktuelles. Für den Monat Mai finden
sich hier annähernd 30 Meldungen - hier wird wohl kontinuierlich
gearbeitet. Es finden sich ausführliche Dokumentationen und
Stellungnahmen zu den beiden TV Duells - bei Rüttgers fand man nicht
einmal die Information, dass er teilgenommen hat. Das Ganze setzt sich
über Termine und Events bis in den Webshop fort.
An dieser Stelle beenden wir den Vergleich. Wir legen Wert darauf, dass
wir die Internetseiten durch keine parteipolitische Brille sehen, aber
das Ergebnis des Internetseiten-Duells könnte eindeutiger nicht
ausfallen. Die Seiten von Peer Steinbrück sind durchweg professioneller
gestaltet, bieten mehr Informationen, sind besser aufbereitet und
bieten vor allem aktuellere Informationen.
Ob das reicht - und wie viel Anteil eine gute Internetpräsenz bei einer
Wahl heute hat, bleibt abzuwarten. Aber es scheint, dass gerade im
Internet noch die vielen Unterschiede zwischen Politikerauftritten zu
finden sind.
Zum Schluss machen Sie sich doch selbst ein Bild:
Octavio nach Schiller