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reticon Bildung und Neue Medien
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Blog nach Hollywood

reticon-Report von Dorothee Ragg -- [20.09.2009]

Was macht man an einem Sonntagabend, wenn im Fernsehen nur das TV-Duell Merkel gegen Steinmeier läuft und man keine Lust auf Politiker Blabla und leere Worthülsen hat? Dann doch lieber ins Kino und die Verfilmung eines Blogs anschauen:
„Julie and Julia“ und das auch noch in der Originalfassung.
Da ist sowohl für Unterhaltung als auch nebenbei ein wenig Bildung gesorgt. Wer in diesen Film geht, sollte nur unbedingt nicht heroisch an Nachos, Popcorn und Gummibärchen vorbeigehen: Lieber sich vorher schön eindecken, denn im Film wird über zwei Stunden lang fast nur gekocht! Neben einigen Kochunfällen, wie gefüllte Ente auf dem Küchenfußboden, gibt es immer wieder die schönsten Bilder französischer Küche von Boeuf bourgignon, Sauce hollandaise und Bayrisch Creme, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Im Mittelpunkt des Films steht die Endzwanzigerin Julie Powell, die vor dem nahenden 30. Geburtstag leichte Panik hat und eine neue Herausforderung neben ihrem Job sucht, um wieder ein bisschen Pep in ihr Leben zu kriegen. Sie kommt auf die verrückte Idee, alle 524 Rezepte aus dem berühmten Kochbuch „Mastering the Art of French Cooking“ von Julia Child in einem Jahr nachzukochen und diesen Selbstversuch in einem Koch-Blog zu schildern. Neben den leckeren Rezepten und Rückblenden in das Leben der Kochbuchautorin in den 1960er Jahren bekommt man einen schönen Einblick in Julie Powells neues Blogger-Leben: Sie fiebert ihren ersten Kommentaren entgegen. Mit der Zeit gewinnt sie eine immer größer werdende Abonnenten-Zahl und schließlich erscheint ein Bericht in der New York Times und ihr werden zahlreiche Angebote für ein Buch unterbreitet. Bemerkenswert ist sicher, dass der komplette Film in zwei sehr unterschiedlichen Zeiten spielt. Julia Child schreibt ihr Kochbuch in den  spießigen 50er Jahren, tippt auf einer Schreibmaschine und kämpft mit Blaupause und Verlegern. Julie Powell dagegen bearbeitet ihren Blog auf ihrem Laptop im Jahr 2002 - beide Geschichten entsprechen übrigens der Realität. Interessant ist auch, dass es viele Parallelen zwischen den Frauen gibt:  Beide begeistern sich für das Kochen, haben eine Idee, an die sie, trotz großer Widerstände von unterschiedlichsten Seiten, glauben und sie sind glücklich verheiratet. Letztendlich werden sie auch beide für ihren Glauben an eine verrückte Idee und deren Umsetzung belohnt: Julia Child findet einen Verleger für ihr überdimensioniertes Kochbuch und bei Julie Powell verschwimmen Kinofilm und Realität am Ende miteinander. Denn der Kinobesucher erlebt gerade was aus einem Blog, den sie übrigens bis heute noch fortführt, alles werden kann!

Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung des Sony Picture Presseservices

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