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reticon Bildung und Neue Medien
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Bild zeigt Gesichter von Verdächtigen

reticon-Report von Ralf Kellershohn -- [06.09.2007]

Während in der Berichterstattung über die Verhaftung dreier Männer, die verdächtigt werden, Anschläge u.a. auf den Frankfurter Flughafen geplant und vorbereitet zu haben, die Gesichter der verhafteten in den Medien stets verfremdet gezeigt werden, ist sich BILD Online so sicher, dass die Männer schuldig sind, dass die Wahrung der Persönlichkeitsrechte stillschweigend, bzw. lautkrakeelend unter den Tisch fallen gelassen werden.

Bei dem Foto zum Anteasern des Berichts und in der Fotoserie zum Bericht hat BILD, im Unterschied zu allen anderen Medien z.B. SternFAZSpiegel  usw. die entweder die Gesichter der Verdächtigen verfremdeten oder Fotos wählten, auf denen die Verdächtigen Skimasken tragen, die Gesichter der Verdächtigen schön deutlich erkennbar abgebildet (Unkenntlichmachung im untenstehenden Screenshot von reticon).

Dazu krakeelte die Schlagzeile gestern abend noch "Sie lebten mitten unter uns von Hartz IV". 



Boulevard de Luxe eben.

Sicher - sehr viele Verdachtsmomente sprechen sehr dafür, dass die den Verhafteten zur Last gelegten Vorgänge stimmen. Jedoch fragt man sich, ob in einem Rechtsstaat - so schwer das manchmal, z.B. im Rahmen eines Kindsmords zu ertragen sein mag - nicht sogar ein Täter, ein Verhafteter gewisse Rechte hat, z.B. dass er so lange als unschuldig, bzw. lediglich verdächtig zu gelten hat, bis im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens dies durch einen Richterspruch bestätigt oder entkräftet wird.

Und ist es nicht so, dass die Güte und Qualität eines Rechtsstaates, die Garantie, dass jeder einzelne mit denselben objektiven Rechten rechnen darf, sich auch und gerade an den Grenzfällen bewährt, in denen diese objektiven Regeln Anwendung finden und ist nicht die Tatsache, dass es eine solche,  prozedurale Ordnung in der sich objektiv festgeschriebene und vereinbarte Bürger und Persönlichkeitsrechte in einer bestimmten Art der Behandlung eines konkreten Subjekts widerspiegelt und eine Zivilgesellschaft von einer instinktgeleiteten Barbarei unterscheidet?

Und gehört zu diesen Persönlichkeitsrechten nicht auch der Schutz der Privatsphäre z.B. dadurch, dass man nicht das Gesicht eines bis jetzt nur Verdächtigen quer über den Titel von Europas auflagenstärkster Zeitung klebt?

Lesen Sie zum Thema und als Erinnerung noch einmal Michael Naumanns empörten Artikel als Entgegnung auf den Seite-1-Titel während der Entführung von Susanne Osthoff  "Wird sie geköpft"

und immer wieder Gerhard Henschel: Von Tag zu Tag wirds schmutziger

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