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Die Geschichte um den geldgierigen Ebenezer Scrooge, der es am Weihnachtsabend mit drei Geistern zu tun bekommt, gehört wohl zu den bekanntesten Weihnachtsgeschichten überhaupt. In irgendeiner Form ist sie wohl jedem schon einmal begegnet. Interessant ist, dass die verschiedenen Umsetzungen der Geschichte von Charles Dickens in Deutschland unter sehr unterschiedlichen Namen zu finden ist. Der eigentliche Titel („Ein Weihnachtslied“ oder auch „Ein Weihnachtslied in Prosa“) wird ziemlich selten verwendet. Meist ist einfach von der „Weihnachtsgeschichte“ oder dem „Weihnachtsmärchen“ die Rede, was zu einer interessanten Frage führt:
Ist Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte eigentlich ein Märchen?
Es gibt einiges was dafür, allerdings auch vieles was dagegen spricht, und letztlich ist ja nicht nur die literaturwissenschaftlich korrekte Einordnung, sondern auch das subjektive Empfinden der Leser wichtig. Sicherlich hat „A Christmas Carol“ viele Elemente des Kunstmärchens, die man auch bei Andersen findet: die Schilderung von Armut und Ungerechtigkeit erinnern an „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Was allerdings so gar nicht märchentypisch ist, ist die Wandlung des Protagonisten vom Bösewicht zum Helden. Das Auftreten der Weihnachtsgeister kann man in die eine oder die andere Richtung deuten, allerdings sind Geister, die sich wie Konfrontationstherapeuten verhalten, auch nicht unbedingt märchentypisch. Auch ist das Dickens-Werk für ein Märchen zu umfänglich und in seinen Beschreibungen dem Sozialdrama näher als dem Märchen. Dennoch (und jetzt wird's unwissenschaftlich) fühlt sich die Geschichte einfach irgendwie wie ein Märchen an, und dies ist wohl einer der Gründe, warum sie oft „Weihnachtsmärchen“ genannt wird.
Scrooge im Kino
Aktuell ist Jim Carrey bzw. ein computeranimiertes Abbild Jim Carreys im Kino in der Rolle des Scrooge zu sehen. Regisseur Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“, „Forest Gump“) hat die Geschichte, die bereits über fünfzig mal verfilmt wurde, mittels des sogenannten Performance-Capture-Verfahrens zu einem modernen 3D-Animationsfilm gemacht. Schauspieler spielen vor der Kamera, und der Computer wandelt die Schauspielerei dann in animierte 3D-Bilder um. Leider ist Robert Zemeckis in seiner Verfilmung der Versuchung erlegen, die Möglichkeiten der 3D-Technik auszunutzen, und so sieht man Scrooge, wie er in rasanten Fahrten über die Dächer Londons saust, und der nachdenkliche und zugegebener Maßen auch etwas rührselige Stoff verkommt zumindest Stellenweise zum effektverliebten Action-Klamauk.
Eine Filmversion, die mittlerweile Kultcharakter hat, ist „Die Muppets Weihnachtsgeschichte", in der Michael Caine den Ebenezer Scrooge zum Besten gibt. Die anderen Rollen werden zum Großteil von den Muppets gespielt. So ist z.B. Kermit, der Frosch, in der Rolle des Bob Cratchit zu sehen. Der Film schafft es, auf der einen Seite recht dicht am Original zu bleiben, und auf der anderen Seite doch etwas sehr Eigenes daraus zu machen, mit jeder Menge Muppet-Humor.
Richard Donners (Lethal Weapon, The Goonies) modernisierte Interpretation des Stoffs von 1988 („Scrooged“) mit Bill Murray als zynischem Fernsehproduzenten, der durch drei ziemlich ruppige Weihnachtsgeister geläutert wird, dämpft die süßlich-kitschige Läuterungsbotschaft mit jeder Menge ironischem Humor.
Scrooge im Hörbuch
Auch das „Hörbuch“, Boom-Medium der letzten 10 Jahre, hat die Geschichte längst für sich entdeckt. Es gibt unzählige Lesungen von mehr oder weniger prominenten Schauspielern, wie z.B. Hans-Jürgen Schatz, Joachim Krol oder Peter Sodann. Selbst der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Tierse hat eine Scrooge-Fassung eingelesen.
Und es gibt Hörspielinszenierungen, wie zum Beispiel: "Fröhliche Weihnachten, Mr. Scrooge" (Titania Medien), eine pompöse zweistündige Version der Geschichte mit vielen bekannten Stimmen. U.a. ist Christian Rode (deutsche Stimme von Christopher Lee) als Ebenezer Scrooge zu hören. Diese Hörspielfassung ist sehr gelungen und bietet wuchtigen Sound, pures Kino für die Ohren, allerdings eher für die Ohren von erwachsenen Hörern, denn die zweistündige Fassung ist für Kinder etwas zu komplex.
Die ultimative Reticon-Scrooge-Empfehlung:
Eine kindgerechte Hörfassung der Geschichte legt da der Münsteraner Märchenverlag Hoersketch vor. Kinderradio-Autor Christian Peitz hebt den märchenhaften Anteil der Geschichte hervor und reduziert ihre Komplexität kindgerecht auf unterhaltsame 33 Minuten. Neben der sprachlich sehr klaren und von Oliver Geister mit passender Musik ausgestatteten Dickens-Geschichte finden sich auf dieser CD noch vier weitere unterhaltsame Kurzhörspiele, wie der Weihnachtswestern „Old Butterhand“ oder „Das Weihnachtsfinale“, bei dem im Stil einer Live-Fußballradiokonferenz vom Geschichte, Weihnachtsstress einer Familie berichtet wird.
Die CD „Charles Dickens’ Weihnachtsmärchen und andere Geschichten“ von Hoiersketch bringt Kindern und Erwachsenen gleichermaßen wunderbare Weihnachtsunterhaltung, die zum Glück nicht nur besinnlich daherkommt,
sondern auch mit jeder Menge Witz aufwartet.
Weitere Informationen:
Jacques Lacan