Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg erhält für sein Projekt "Family Literacy" (FLY) den König-Sejong-Alphabetisierungspreis der UNESCO. Damit wird erstmals an eine deutsche Einrichtung ausgezeichnet. Das FLY-Projekt in Hamburg fördert seit 2004 Schreib- und Lesekompetenzen von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund.
An dem Projekt "Family Literacy" nehmen 33 Schulen und Kindertagesstätten aus sozialen Brennpunkten in Hamburg teil. Das Projekt konzentriert sich auf die Nahtstelle des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule und vermittelt Lese- und Schreibkompetenzen an Kinder und ihre Eltern.
90 Prozent der teilnehmenden Eltern sind Frauen
Hauptziel ist es, die Fähigkeiten der Eltern zu stärken, ihre Kinder zuhause beim Lesen und Schreiben lernen zu unterstützen und sie dadurch besser auf die Schule vorzubereiten. Langfristiges Ziel ist es, Schulabbrüche zu verhindern und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie zu stärken. 90 Prozent der teilnehmenden Eltern sind Frauen.
Indem Väter und Mütter mit ihren Kindern zusammen lernen, verbessern sich auch ihre Lese- und Schreibfähigkeiten. Für Eltern ist dieser Ansatz eine Möglichkeit, ihre Grundbildung zu verbessern, ohne an einem Alphabetisierungskurs teilnehmen zu müssen - eine für viele Erwachsene beschämende Situation.
Weitere Preisträger
Die UNESCO hat in diesem Jahr drei weitere Alphabetisierungsprojekte ausgezeichnet: Die Generaldirektion für Erwachsenenbildung in Kap Verde erhält ebenfalls den König-Sejong-Preis für ihr Programm zur Alphabetisierung von Frauen. Die Analphabetenrate in Kap Verde ist zwischen 1974 und 2005 von 60 auf 20 Prozent gesunken.
Die ägyptische Stadt Ismalia bekommt den Konfuzius-Alphabetisierungspreis für ihr Engagement in der Ausbildung von jungen Frauen zu Entwicklungshelferinnen für ihre eigenen Gemeinden. Das Zentrum für non-formale Bildung in Nepal erhält den Konfuzius-Preis für seine nationale Alphabetisierungskampagne, die Themen wie Umwelt, Entwicklung und Gesundheit in die Bildungsarbeit integriert. Eine besondere Würdigung erfuhr das "Women Land Rights Project" der Coalition of Women Farmers (COWFA) in Malawi.
Preisverleihung am Weltalphabetisierungstag
Die UNESCO verleiht die internationalen Alphabetisierungspreise jedes Jahr für außergewöhnliche und innovative Projekte zur Grundbildung. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld in Höhe von jeweils 20.000 US-Dollar verbunden. Die Preisträger werden von einer internationalen Jury ausgewählt.
Die Auszeichnung wird am 8. September, dem UN-Weltalphabetisierungstag in Paris übergeben.
750 Millionen Analphabeten weltweit
Laut dem UNESCO-Weltbildungsbericht sind über 750 Millionen Menschen vom Analphabetismus betroffen. Fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Die Stärkung von Frauen ist in diesem Jahr der Schwerpunkt der UN-Dekade der Alphabetisierung (2003-2012). Die UNESCO ist für die Dekade federführend. Ihr Ziel: Die Analphabetenrate soll bis zum Jahr 2015 weltweit um die Hälfte reduziert werden.
(Quelle: PM)
Weitere Informationen
- Das Projekt "Family Literacy" des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg
- Informationen der UNESCO über ihre Alphabetisierungsprogramme
- Das UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen in Hamburg, eines von sechs UNESCO-Instituten weltweit, ist für die Alphabetisierungsaktivitäten der Vereinten Nationen zuständig. 2005 bis 2007 führte das UIL mit sechs internationalen Projektpartnern (Türkei, Irland, Italien, Deutschland, Malta, Bulgarien) ein Projekt zu Family Literacy durch, bei dem die teilnehmenden Organisationen ihre Erfahrungen mi Family Literacy Programmen und Beispiele guter Praxis austauschten.
- Video: Die Frankfurter Buchmesse protegiert mit ihrer "Literacy Campaign" (Litcam) Alphabetisierung und Grundbildung. Bereits 2008 war "Family Literacy" das Leitthema der Litcam-Konferenz.
- In Deutschland wird die Grundbildung vor allem durch den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung vertreten.
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