Eine Laudatio zu Lebzeiten ist meist sehr nett, ein Nachruf zu Lebzeiten hingegen weniger. Der Nachrichtendienstleister Bloomberg würdigte unlängst jedoch trotzdem schonmal Leben und Werk des Apple-CEOs Steve Jobs. Sahnehäubchen der Peinleichkeit: Bereits in der Überschrift steht der Redaktionsvermerk "hold for release - not for use".
27. August 2008, 4:27 p.m. New York time (Bloomberg): "JOB, STEVE. APPLE FOUNDER, TECH VISIONARY. UPDATED AUGUST 2008". Es folgt ein siebzehn-seitiger Nachruf auf Leben und Karriere des Apple-Gründers, iPod-Erfinders u.v.a.m. Dieser Nachruf hat allerdings zwei elementare journalistische Fehler: Erstens sind noch zahlreiche Redaktionsvermerke enthalten, unter anderem Namen und teilweise Kontaktdaten von zu befragenden Personen. Zweitens: Steve Jobs lebt und meldete sich auch kurze Zeit später persönlich zu Wort.
Zwar wurde vor einigen Wochen in den einschlägigen Medien über den Gewichtsverlust von Jobs und eine möglicherweise dahinter steckende Krankheit spekuliert, aber ihn deswegen gleich für tot zu erklären... Eine höchst peinliche journalistische Panne und ein Offenbarungseid der Arbeit von Nachrichtendienstleistern zugleich. In Zeiten von lichtschneller Berichterstattung via Internet und Satellit sind vorproduzierte Meldungen nötig, um im Geschäft bestehen zu können. In diesen Zeiten ist es wichtig, der Erste zu sein, nicht der Exakteste.
Aber damit zählt eben Schnelligkeit statt Genauigkeit, Aufmerksamkeit statt Vertrauenswürdigkeit. Die junge Generation bezahlt diesen Trend zum Nachrichten-Fastfood mit einem eher ungesunden Halbwissen, den Kopf schwer von vielen nutzlosen Informationshäppchen. Dem sollte eine verlässliche Redaktion eines seriösen Angebots entgegen wirken.
Aber hier hat die Redaktion bei Bloomberg gepatzt. Eine mit zahlreichen Redaktionsvermerken versehene und für jeden Laien als Vorlage zu erkennende Meldung geht online. Das darf einem gut bezahlten Informationsbroker nicht passieren. Nun ist es raus und das Erfreuliche: Bloomberg zahlt ordentlich Lehrgeld, durch den Ärger und die Häme der Kunden einerseits und durch den nun entwerteten Text andererseits.
Kaum nach Bekanntwerden der Panne zog die Agentur den Nachruf mit einem Zweizeiler zurück, allerdings bekommt nun auch sie zu spüren, dass das Internet nachtragend ist: Zahlreiche Kopien sind im Umlauf, öffentlich und in Foren. Pech gehabt, das hätte eine Medienagentur ahnen können. So wird der vermeintliche Nachruf zu einer Laudatio auf einen lebenden Steve Jobs, Totgesagte leben eben länger.
Artikel mit Kopie des falschen Nachrufs
Ralf Kellersohn über Häppchenjournalismus und -konsum im reticon-Report Mann beißt Hund
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