Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gehirn&Geist (10/2006) setzt sich mit der Thematik Spiegelneurone auseinander. Es geht um Neuronen für die es egal ist eine Handlung bei jemand anderem zu sehen oder diese selbst durchzuführen.
Nachfolgend ein Auszug des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:
"Sehen, was jemand anderes macht, oder es selbst tun - für Spiegelneurone ist dies ein und dasselbe. Aktuellen Forschungen zufolge könnte dieser Typ von Nervenzellen für das "innere Simulieren" fremder Handlungen verantwortlich sein und uns so das soziale "Mitempfinden" ermöglichen.
Spiegelneurone führen die Hitcharts der Neuroforschung an, seit italienische Wissenschaftler sie vor rund zehn Jahren im Affenhirn entdeckten. Die eigentümlichen Nervenzellen besitzen eine Doppelfunktion: Sie sind nicht nur aktiv, wenn das Tier selbst eine bestimmte Handlung ausführt, sondern auch wenn es diese bei einem Artgenossen oder einem Menschen nur beobachtet.
Spielt auch das menschliche Gehirn fremdes Tun innerlich nach? Stellen Spiegelneurone gar die Basis für intuitives gegenseitiges Verstehen dar? Solchen Fragen geht das Wissenschaftsmagazin Gehirn&Geist in seiner neuesten Ausgabe (10/2006) nach.
Wie Forschungen mittels bildgebender Verfahren zeigen, erzeugt das bloße Beobachten fremden Tuns auch in Hirnarealen von Homo sapiens eine Resonanz. Dies könnte uns helfen, die Absichten anderer intuitiv nachzuvollziehen. Dafür spricht zum Beispiel, dass Spiegelzellen meist nur bei Bewegungen feuern, die sich auf ein bestimmtes Objekt richten: "Da räumt jemand die leere Kaffeetasse ab - der will sich bestimmt nachschenken!"
Wie der Lübecker Neurologe Ferdinand Binkofski in der neuesten Ausgabe von Gehirn&Geist (10/2006) berichtet, kann eine gezielte Anregung der Spiegelzellaktivität in bewegungssteuernden Hirnarealen sogar die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten unterstützen. Sehen Patienten vor ihren Trainingseinheiten mit dem Physiotherapeuten kurze Filme der neu zu erlernenden Bewegungen, erlangen sie ihre Beweglichkeit häufig schneller wieder als ohne Videoshow.
Den weiteren Rahmen der Spiegelzellforschung umreißt der Neurowissenschaftler Christian Keysers von der Universität Groningen: So zeigen verschiedene Studien, dass die für Spiegelneurone typischen
Hirngebiete bei Autisten nur schwach aktiv werden. Dies könnte erklären, warum es den Betroffenen schwer fällt, die Intentionen ihrer Mitmenschen zu erkennen. Auch bei der Entstehung von Sprache
sind nach Keysers Ansicht Spiegelneurone entscheidend gewesen: Sie machten vermutlich schon den Urmenschen den mit bestimmten Gesten verbundenen Sinn "begreifbar" - durch inneres Simulieren eben." (Quelle: Gehirn&Geist)
Weitere Informationen im Internet unter www.gehirn-und-geist.de
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