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Schlangestehen für die Wissenschaft

Schlangestehen für die Wissenschaft

05.10.2007, (MR)

Warten und "Schlange stehen" gehört zu jedem ordentlichen Studium - auch jenseits aller elektronischen Verfahren. Doch die TU Wien geht dem "Schlangestehen" jetzt wissenschaftlich auf den Grund. Am Montag, 08.10.2007, werden Theorien zur Warteschlange live getestet.

Das Thema "Warteschlange" ist momentan wohl hoch im Kurs. In China wurde demnach gerade ein "Tage des Schlangestehens" eingeführt. An jedem 11. eines Monats sollen Pekings Bürger üben ordentlich anzustehen - man merkt Olympia kommt näher und so widmet man sich den wichtigen Dingen, um sich der Welt von der besten Seite zu präsentieren.

Aber jenseits aller Ironie - es gibt unterschiedliche Kulturen, wie man sich in einzelnen Ländern "anstellt":

"Jedes Land hat ganz unterschiedliche Kulturen: Vom English Queuing  bis zum mediteranen Ehrgeiz die Anderen durch Parallelschlangen zu überlisten gibt es jede Spielart. Nicht einmal hier kann sich die EU auf ein Maß einigen. Zeit also das Ganze wissenschaftlich zu untersuchen: Wo liegen die Gründe für unterschiedliches Warten? Gibt es die optimale Schlange? Und was ist ein Stopfkunde?" (Quelle: TU-Wien)

Und so setzt sich Prof. Breitenecker (Institu für Analysis und Scientific Computing) aus wissenschaftlichem Interesse mit dem Phänomen der Warteschlange auseinander:

"Rein technisch gesehen kann man die optimale Schlange definieren:
In einer langen Schlange warten ist – im Schnitt gesehen – effizienter, als für mehrere Schalter parallel anzustehen: der Einzelne kommt aber möglicherweise beim guten, alten "schalterweise" Warten schneller voran.  Die deutsche Post hat vor kurzem die Warteschlangen auf das "Einschlangensystem" umgestellt – die Wirtschaftlichkeit hat hier gesiegt: zu groß sei die Gefahr, dass ein "Stopfkunde", also jemand der besonders lange braucht, zu Ungerechtigkeiten führt.
Doch auch psychologische Faktoren zählen: Wenn die Schlange zu lang ist sinkt die Lust anzustehen. Bei Ämtern kein Problem – da muss man ja, doch im Geschäftsleben investieren Firmen Zeit und Geld um das Warten nach kapitalistischen Grundsätzen zu optimieren.
Wir sehen uns im praktischen Versuch an der TU Wien verschiedene Methoden und Strategien beim Schlange stehen an, simulieren  Taktiken und  befragen ExpertInnen der verschiedenen Forschungsrichtungen.
Doch egal was PsychologInnen, Business-ExpertInnen oder MathematikerInnen sagen: Wohl kein Engländer würde sein Queuing gegen kontinantaleuropäische Sitten eintauschen, und auch umgekehrt wird wohl eine europäische Warteschlangenverfassung noch länger auf sich warten lassen - Forschung tut also dringend Not! Und so sind auch die Erfolge des Pekinger „Tages des Schlangesstehens“ nur bescheiden. Kein Wunder: das Jahr der Schlange ist laut chinesischem Horoskop ja erst wieder 2013." (Quelle: TU-Wien)

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