Paul Spiegel, der seit 2000 Präsident des Zentralrats der Juden war, starb Sonntagmorgen im Alter von 68 Jahren in Düsseldorf. Nach einem Herzinfarkt im Februar und anschließender Lungenentzündung war er in ein künstliches Koma versetzt worden.
Spiegel – Jahrgang 1937 – wurde in Warendorf im Münsterland geboren. Er floh mit seiner Familie vor den Nazis nach Belgien und wurde zum Schutz bei Bauern versteckt. Dort überlebte er den Krieg, seine Schwester hingegen wurde bei einer Razzia in Brüssel verschleppt und starb in Auschwitz.
Nach dem Krieg kehrt er nach Deutschland zurück. In seinem beruflichen Werdegang schlug er zunächst eine journalistische Ausbildung an. In den 80er Jahren gründete er eine Künstleragentur – parallel dazu wurde er in der jüdischen Gemeinde und dann auch im Zentralrat der Juden in Deutschland aktiv.
Er war stets eine kritische Stimme in gesellschaftlichen und politischen Fragen. Er warnte immer wieder vor dem wiedererstarkten Rechtsextremismus. Er plädierte für gegenseitige Information, Juden und Nicht-Juden wissen viel zu wenig voneinander. Diesem versuchte er entgegenzutreten, sein anfänglicher Optimismus wich einem zunehmenden „Realismus“ und Wachsamkeit.
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