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Männerquote für pädagogische Berufe

22.12.2005, (RK)

"Man sollte darüber nachdenken, in pädagogischen Berufen eine Männerquote einzuführen, damit für Jungen männliche Vorbilder wieder greifbar werden", sagte der Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

"Bis zu ihrem zehnten oder elften Lebensjahr begegnen Jungen im Kindergarten und in der Grundschule fast ausschließlich Frauen in pädagogischen Rollen", sagte Hurrelmann. Dadurch fehlten ihnen die für eine gesunde Entwicklung notwendigen männlichen Vorbilder. "Sehr häufig greifen Jungen deshalb auf nicht mehr zeitgemäße Männerklischees wie Western-Helden oder Familienernährer zurück", sagte Hurrelmann.

Der soziale Wandel der Gesellschaft habe sich aber längst entfernt von traditionellen Geschlechterrollen. Viele Jungen plage daher permanent das Gefühl, den Anforderungen der Gesellschaft nicht zu genügen. Leistungsabfälle und Konzentrationsschwierigkeiten haben laut Hurrelmann in den vergangenen Jahren bei Jungen deutlich zugenommen.

"Wenn ich als Junge neben meiner Rolle lebe, dann bin ich psychisch dauerbelastet", erläuterte der Jugendforscher. Aggressives Verhalten und ein angeschlagenes Selbstwertgefühl seien häufige Folgen. Deshalb müsse die pädagogische Arbeit mit Jungen deutlich verstärkt werden. Innerhalb der Familie könne das Fehlen männlicher Bezugspersonen häufig nicht kompensiert werden.

Etwa 80 Prozent aller Alleinerziehenden seien Frauen. Wo es beide Elternteile gebe, sei die Mutter meist die "Haupterzieherin", sagte Hurrelmann. Im Gegensatz zur Jungenarbeit ist seit der Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre die pädagogische Arbeit mit Mädchen verbreitet. "Nicht mehr das katholische Mädchen vom Land ist heute der Problemfall, sondern der Junge mit sozial schwachem familiärem Hintergrund", sagte Hurrelmann.

An der Entwicklung von Mädchen und Frauen lasse sich aber ablesen, dass mit gezielter Förderung viel erreicht werden könne. "Frauen haben inzwischen neben die traditionellen drei Ks mit Küche, Kirche und Kinder in ihrem Leben wie selbstverständlich ein viertes K für Karriere hinzugenommen."

(Quelle: learnline.nrw)

 

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