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Bild: Clix/www.sxc.hu

Macht uns Google dumm?

10.08.2008, (MR)

Nicholas Carr fragt provokant in The Atlantic ob uns Google bzw. "das Internet" dumm macht: "Is Google making us stupid"? Es ist jetzt nicht das erste Mal, dass diese Diskussion aufkommt, aber sicher nicht das letzte Mal. Der Titel der kommenden Spiegel-Ausgabe schließt sich da auch an: "Macht das Internet doof?" Das scheint jetzt die Fragestellung im Sommerloch zu sein.

Noch kennen wir vom Spiegel nur das Cover - die Ausgabe erscheint erst morgen, es bleibt zu hoffen, dass es nicht nur eine Wiederholung der Thesen Carrs ist. Interessant ist, dass hier das "Internet" immer wieder mit "Google" gleichgesetzt wird. Das Spiegel-Cover stellt die Frage "Macht das Internet doof?" denn auch in der optischen Aufmachung der Google-Startseite.

Nicholas Carr hebt in seinem Artikel darauf ab, dass das "deep Reading" verloren gehe. Das Internet beschleunige Recherchen, man setze sich nicht mehr ausführlich mit etwas auseinander, sondern überfliege und bekomme via Google Recherchen in Sekunden geliefert für die man früher drei Tage Bibliothek einplante. Zudem verändere sich die Informationsaufnahme - folgte man früher linear der Argumentation in einem Buch, steigt man jetzt in der Mitte ein, überfliegt Teile und ist nach kurzer Zeit wieder entschwunden.

Auch das ist nichts wirklich neues, darüber haben wir uns schon vor Jahren Gedanken gemacht - ohne dass es hier nach meinem Stand so etwas wie "abschließende" Erkenntnisse gibt.

Und schließlich diskutiert er die Frage ob sich mit einer veränderten Art des Lesens (d.h. der Informationsaufnahme) auch die Art zu denken ändert. Dabei setzt sich Carr nicht nebenbei und beiläufig damit auseinander - der Artikel ist ausführlich und kann nicht "nebenbei" überflogen werden.

Carr hat einen sehr skeptischen bis pessimistischen Blick an dem er zum Schluss selbst leise Zweifel äußert:

"So, yes, you should be skeptical of my skepticism. Perhaps those who dismiss critics of the Internet as Luddites or nostalgists will be proved correct, and from our hyperactive, data-stoked minds will spring a golden age of intellectual discovery and universal wisdom. Then again, the Net isn’t the alphabet, and although IT may replace the printing press, IT produces something altogether different. The kind of deep reading that a sequence of printed pages promotes is valuable not just for the knowledge we acquire from the author’s words but for the intellectual vibrations those words set off within our own minds. In the quiet spaces opened up by the sustained, undistracted reading of a book, or by any other act of contemplation, for that matter, we make our own associations, draw our own inferences and analogies, foster our own ideas. Deep reading, as Maryanne Wolf argues, is indistinguishable from deep thinking." (Quelle: The Atlantic)

Zur Beurteilung fehlen mir hier die Daten - vielleicht kennt ja jemand Studien/Untersuchungen dazu?
Aus meiner eigenen Perspektive kann ich nur beitragen: Ja klar ändert sich die Art zu lesen und sicher damit auch die Art zu denken. Dem ist aber geschuldet, dass ich bei vielen Fragestellungen erst einmal abschätzen muss, was sich lohnt zu lesen. Bei der Fülle der Publikationen ist es schlicht nicht möglich alles zu lesen, gerade bei Webseiten habe ich so etwas wie einen "inneren Sensor", der relativ schnell entscheidet, ob ich auf einer Seite bleibe und die Zeit investiere Argumentationen zu verfolgen. Trotzdem hindert mich das nicht daran, Dinge auch von Grund auf zu verfolgen und vertieft zu lesen. (Da kann man natürlich einwenden, dass ich das auch einmal "gelernt" habe, als es eben noch kein Internet gab.) Das mag sein und vielleicht ändert sich vieles noch, wenn jetzt die echten "Internetkinder" die Hochschulen stürmen.

Auf jeden Fall zu empfehlen:

 

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