Im Forum Kritische Pädagogik findet sich ein äußerst spannendes Manuskript von Reinhard Kahl (SWR 2, 16.12.): Hunger nach Anerkennung: Deutsche Schulen fünf Jahre nach Pisa. Endlich ein Pädagoge, der wieder einen differenzierten Blick auf unsere Bildungslandschaft wirft.
Reinhard Kahl hat sich sowohl als Dokumentarfilmer wie auch als Bildungsexperte einen Namen in Deutschland gemacht. In dem 9-seitigen Artikel spannt er einen weitern Bogen vom Amoklauf in Emsdetten bis hin zu Pisa.
Was auf den ersten Blick nach einem Zusammenschnitt klingt, der nur in platten Statements enden kann - wird beim Lesen dankenswerterweise differenziert und kritisch ausgearbeitet. Kahl verfällt in keine Klischees und folgt nicht den einfachen Erklärungsmustern sondern fragt nach und ist unbequem.
Das sind Argumentationen, die man leider viel zu selten hört und die viel zu wenig von den Medien aufgegriffen werden. Warum nur muss man immer Herrn Pfeiffer sehen und hören - warum wollen "die Journalisten" immer einfache Erklärungen präsentieren? Erschreckend finde ich, dass diese Untugend von den Boulevard-Blättern bis hin zur Tagesschau um sich greifen.
"Warum dieser Fokus auf die technischen Medien? Warum scheint es so plausibel,
Dinge zur Ursache zu machen und quasi schuldig zu sprechen? Es soll gar nicht
bezweifelt werden, dass diese Medien ihre Spuren hinterlassen. Nur, ist es nicht
merkwürdig, wie wenig von dem für Menschen wichtigsten Medium die Rede ist?
Im älteren Sprachgebrauch wurden Menschen selbst als starke oder schwächere
Medien angesehen. Mit der modernen Anthropologie lässt sich die Atmosphäre
von Lebensräumen, Schulen zumal, als medialer Raum beschreiben, als
Zwischenraum, durch den junge Menschen initiiert werden." (Quelle: Reinhard Kahl)
Dabei zeichnen gleichzeitig Medien inzwischen immer häufiger ein differenziertes Bild vom Beruf "Erziehung".
Ein wirklich guter Artikel: Reinhard Kahl: Hunger nach Anerkennung: Deutsche Schulen fünf Jahre nach Pisa (PDF)
"Wer verstehen will, welcher Wandel sich für unsere Schulen andeutet, muss ins Kino
gehen. Da sind Lehrer seit einiger Zeit Helden. Nichts mehr von wegen Pauker.
Leidenschaftliche Erwachsene. Keine Unterrichtsbeamten." (Quelle: Reinhard Kahl)
Erschienen im Forum Kritische Pädagogik
Informationen zum Artikel