Der Boston Globe zitiert Intel-Sprecherin Agnes Kwan, derzufolge das Unternehmen nach Gesprächen mit Negroponte die Entscheidung getroffen habe, aus dem Projekt auszusteigen. Dieser habe Intel aufgefordert, das OLPC-Konkurrenzprodukt Classmate nicht weiter zu verfolgen und zu vertreiben, sondern sich ganz dem OLPC Projekt zu widmen. Intel-Sprecher Chuck Mulloy wird von Reuters und AP ähnlich zitiert: "They wanted us to focus our support exclusively on the OLPC system." Dieser Bitte habe man nicht entpsrechen können. Dies sei bedauerlich aber unvermeidlich. "It's unfortunate this happened, but at some point, you have to make a tough decision". Intels Ausstieg habe laut Mulloy nicht damit zu tun, dass das 100$-Laptop nicht mit Intel-Chips sondern den des Intel-Konkurrenten AMD laufe.
2005 stellte der ehemalige Diretor des MIT-Media-Lab Nicholas Negroponte die Idee des Non-Profit-Projekts "One Laptop Per Child" vor, einen kostengünstigen Laptop zu entwickeln, der Kindern in Entwicklungsländern zugänglich gemacht werden solle, um die brachliegenden Bildungsreserven zu mobilisieren. Das Projekt entwickelte zahlreiche aufsehenerregende Lösungen für die besonderen Aufgabenstellungen: Das Gerät ist besonders stromsparend, verfügt anstatt über eine Festplatte über einen Flash-Speicher. Das Display kann im direkten Sonnenlicht verwendet werden, u.v.m.
Um Lizenzkosten zu vermeiden, arbeitet das XO genannte Laptop mit offener Software. Nachdem Intel und Microsoft sich anfänglich über das Projekt und sein "100-Dollar Gadget" lustig gemacht und dann kritisiert hatten, ist den Führeungsetagen irgendwann scheinbar aufgefallen, dass sie dabei waren, das Rennen um den größten IT Markt der nächsten 50 Jahre zu verlieren, wenn Generationen mit Linux und AMD großwürden.
So entwickelte Intel mit dem "Classmate" ein Konkurrenzprodukt zum XO und vermarktete es offensiv. Dabei schrekcte Intel auch nicht - so die Kritik Negropontes - vor negativer PR zurück, um das Non-Profit-Projekt aus dem Rennen zu werfen und sich so die Perspektive von Folgeaufträgen zu sichern. Negroponte griff Intel daraufhin scharf an. In einer erstaunlichen Wendung trat Intel dem Projekt im vergangenen Jahr bei. Die Frage, ob man damit nicht den Bock zum Gärtner gemacht habe, scheint nun beantwortet zu sein.
Der Erfolg von OLPC, das "XO" genannte Laptop tatsächlich zum Stückpreis von 100-Dollar produzieren und vertreiben zu können, hing und hängt von Bestellungen in Millionenhöhe ab. Bei aller Unterstützung und Wohlwollen gelang es Negroponte lange nicht, mehr als wohlwollende Absichtserklärungen von Regierungen zu erhalten. "Ich habe zu einem gewissen Grad den Unterschied zwischen dem Handschlag eines Regierungs-Chefs und dem Unterschreiben eines Schecks unterschätzt.", erklärte Negroponte der New York Times.
Erst vor wenigen Monaten verkündeten Nigeria und Lybien, die bislang immer als 100-Dollar-Laptop Kandidaten gehandelt wurden, den Classmate einführen zu wollen - ausgerechnet einen Tag, nachdem OLPC den ersten offiziellen Vertrag mt Urugay bekannt gab.
(Quelle: Heise)
[Update 5. Jan] In einem Interview mit CNN äußert sich Negroponte ausführlich und deutlich zu dem Vorgang. Intel habe kontinuierlich und permanent sämtliche Absprachen verletzt und versucht, aktiv das OLPC Projekt zu schädigen. So hätten Intel-Vertreter versucht, das peruanische Bildungsministerium "zu erschrecken", nachdem das lateinamerikanische Land eine größere Menge XO geordert hatte.
Das Wall Street Journal zitiert Oscar Becerra Tresierra, Generaldirektor für Bildungstechnologie im Bildungsministerim, der berichtet, dass "Intel sales representative tried "to scare us" by claiming the machines and their power adapters didn't work. Intel. Sprecher Mulloy verweigerte eine Stellungnahme.
"We're the World Food Programme - they are Mc Donald's" John Negroponte im Interview mit CNN
"Laptop-Project Founder Faults Intel" im Wall Street Journal
Zu OLPC unter www.laptop.org
Zum Intel-Konkurrenzprodukt Classmate unter www.classmatepc.com
Ein sehr schöner Artikel zu den Hintergründen von OLPC mit einem ebenso gelungenem Video von "60 Minutes" findet sich hier...
Eine wunderschöne Slideshow bei der BBC über das 100-Dollar-Laptop in einer nigerianischen Grundschule
Zum Thema auch: "Die nächste Milliarde Menschen online bringen" bei Telepolis
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