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Kinder Kindergarten Gruppe

Bild: memoossa/sxc

Immer mehr Ein- und Zweijährige besuchen eine Kita

28.06.2010, (RK)

Immer mehr Eltern in Deutschland nehmen Angebote zur Kleinkindbetreuung in Anspruch. Dies ergibt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Derzufolge wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Prozent aller Einjährigen in einer frühkindlichen Bildungseinrichtung oder von einer Tagesmutter betreut. Bei den Zweijährigen waren es fast 40 Prozent. Dabei fallen die Ausgaben der Bundesländer höchst unterschiedlich aus.

Während Spitzenreiter Berlin im Jahr 2007 durchschnittlich rund 4.150 Euro für jedes Kind unter sechs Jahren investierte, gibt Schlusslicht Schleswig-Holstein mit rund 2.000 Euro pro Kind nicht einmal die Hälfte aus. Neben Berlin liegt Hamburg mit Investitionen von rund 3.400 Euro pro unter Sechsjährigem an der Spitze. Am unteren Ende der Investitionsskala stehen neben Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg.

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge besuchten im vergangenen Jahr 30 Prozent der Zweijährigen in Westdeutschland eine Krippe, einen Kindergarten oder eine Tagesmutter. Bei den Dreijährigen waren es sogar 80 Prozent. Auch in Ostdeutschland suchen mehr und mehr die Eltern eine Betreuung für ihren Nachwuchs: Fast 60 Prozent der Einjährigen besuchten demnach eine Kindertagesstätte.

Insgesamt mehr Investitionen in frühkindliche Bildung
Insgesamt hat laut Bertelsmann-Stiftung die frühkindliche Bildung bei den Investitionen an Stellenwert gewonnen: Die entsprechenden Ausgaben pro Kind in der Bevölkerung sind zwischen 2005 und 2007 in Deutschland um 12 Prozent gestiegen.

Wer bei den Investitionen in die frühkindliche Bildung und Erziehung spart, zahlt in der Zukunft drauf“, erklärte Dr. Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung. „Investitionen in frühkindliche Bildung rechnen sich, das zeigen unsere eigenen Analysen, das zeigen aber auch internationale Untersuchungen.“ Langzeitstudien belegen Dräger zufolge den positiven Einfluss guter Kitas auf die Bildungschancen insbesondere auch von benachteiligten Kindern: „Das Geld, das eine Gesellschaft für eine gute frühkindliche Bildung investiert, nutzt dem einzelnen Kind ebenso wie unserer volkswirtschaftlichen Entwicklung.

"Hebammen statt Professoren"
Ein Hinweis, der von Wissenschaftlern bestätigt wird: Wenn das Bildungsniveau der Bevölkerung nachhaltig verbessern soll, sind Investitionen in der frühkindlichen Erziehung nötig. "Hebammen statt Professoren", lautet die Formel: Von Investitionen in Hochschulen profitierten nur diejenigen, die überhaupt dort angekommen - und das sind vor allem Mittel- und Oberschichtenkinder.

Geld für Hochschulen als Förderprogramm der Mittel- und Oberschicht
So erklärte der Bildungsökonom Ludgar Wößmann von der Universität München unlängst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass "mangelnder Hochschulzugang nur in seltenen Fällen mit akut fehlenden Finanzmitteln, sondern zumeist vielmehr mit mangelnder Grundlagenbildung und fehlender Bildungsaspiration des Elternhauses zu tun hat."  In diesem Sinne fungierten Programme zur Förderung der Hochschulen eher als "Förderung der Mittelschicht denn als Mittel zur Verbesserung der Bildungsergebnisse", so Wößmann.

Eine doppelte Ungerechtigkeit: Die Mittelschicht sichert sich die Bildungsinvestitionen im frühen und im späten Bildungsstadium und zementiert so die Ungleichheit - und der Staat steht für den wachsenden und verstetigten Bedarf sozialer Transferleistungen ein. So bezahlen alle für die im System angelegte Bevorteilung weniger Priveligierter - mit ihrem Geld und mit nicht realisierten biographischen Chancen.

Höhere Lernrate durch stimulierende Umgebung
Damit bleibt die Erzählung von der Bildungsexpansion ein Märchen für diejenigen, die mit schlechten Bedingungen starten. In der Folge können sie die verfügbaren Bildungsangebote nicht zur Entwicklung von Fähigkeiten nutzen, mit denen die jeweils anschließenden Bildungsoptionen ausgebaut werden können. Wer dagegen "schon als Säugling eine stimulierende, stärkende und schützende Umgebung hatte, kann künftige Bildungsangebote besser ausbeuten", erklärt Wößmann
"Er hat größere Lernraten als der vernachlässigte Altersgenosse."


Personalkosten der größte Anteil
Den größten Anteil der Investitionen für frühkindliche Bildung machen die Ausgaben für Personal aus. Die Höhe dieser Ausgaben wird vor allem durch die Zahl und Betreuungszeiten der Kinder in Kitas und Tagespflege und die Personalschlüssel beeinflusst. Bundesländer, die vielen unter Dreijährigen einen Kitaplatz ermöglichen, investieren deshalb deutlich mehr in die frühe Bildung ihrer Kinder. Die Ausgaben der östlichen Bundesländer sind daher mit im Schnitt rund 3.000 Euro pro Kind insgesamt höher als in den westlichen Ländern (durchschnittlich rund 2.400 Euro).

Ab 2013 Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung
Die Beobachtung der Investitionen in den Ausbau der Kinderbetreuung ist vor allem mit Blick auf den Rechtsanspruch bedeutsam, den Eltern ab August 2013 haben: Dann steht ihnen einPlatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter zu, sobald ihr Kind ein Jahr alt ist.

Alle Ergebnisse der Studie im Internet unter www.laendermonitor.de

(Quelle: PM)

 

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