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Grüne gegen Computer- und Onlinespielesucht

Bild von den World Cybergames - ob es bei Münsters Germanisten auch so aussah?

Grüne gegen Computer- und Onlinespielesucht

25.01.2008, (RK)

Die Fraktion der Grünen hat einen Antrag in den Bundestag eingebracht, mit dem sie die Anerkennung von Medienabhänigkeit als eigenständige Sucht fordern. Zudem führt der Antrag eine Reihe von Maßnamen zur Bekämpfung und Prävention auf. Hersteller sollen verpflichtet werden, auf das Suchtpotential von Spielen hinzuweisen.

Wer einmal ein Computerspiel für sich gefunden hat, wird die Erfahrung kennen: Man setzt sich an den Rechner und beginnt zu spielen. Wenn man schließlich beschließt, den Rechner auszumachen, sind 5,7,10 Stunden vergangen und man hat es kaum gemerkt. Viele Menschen weisen alle Anzeichen von Suchtverhalten in Zusammenhang mit Computerspielen auf, darunter v.a. männliche Jugendliche. Sie vernachlässigen ihre sozialen Kontakte, die schulischen Leistungen sacken ab, die Teilnahme am Familienleben geht zurück.

Erst vor wenigen Wochen ging der Fall eines jungen Belgiers durch die Medien, der das Online-Rollenspiel World of Warcraft gespielt hatte, bis er ins Koma fiel.

Während Eltern und Angehörige dem Phänomen weitgehend hilflos gegenüber stehen und mitansehen müssen, wie die Jugendlichen alle nicht computerspielbezogenen Aktivitäten reduzieren, einstellen und um das Hauptziel des Spielens herum anordnen, weisen Herstelle wie Electronic Arts jede Verantwortung von sich.

So unverzichtbar und omnipräsent Computer und Internet in vielen Bereichen des Arbeitslebens und des Alltags auch seien, bestünde die Gefahr und Eignung von Computer und Internet als "Suchtmittel". Besonders im Blick haben die Grünen dabei die beliebten Online-Rollenspiele, wie z.B. World of Warcraft.

3 bis 6 Prozent der Internet-Nutzer sind nach Angaben der Grünen (Unter Verweis auf eine Studie von Bernd te Wildt von der medizinischen Hochschule Hannover 2006) online-süchtig, noch einmal so viele stark suchtgefährdet. Die Fraktion der Grünen hat nun im Bundestag Antrag eingebracht, mit dem sie die den Bundestag auffordert, Medienabhängigkeit als "eine eigenständige, nicht stoffgebundene Suchtform" anzuerkennen. Zudem soll eine Klassifikation nach dem Diagnoseschlüssel ICD erfolgen.

Die Symptome der Mediensucht gleichen "denen anderer, nicht stoffgebundener Suchterkrankungen", heißt es in dem Papier. "Durch den Konsum bestimmter Medienangebote wird das körpereigene Belohungssystem in Gang gesetzt. Der damit einhergehende Dopaminausstoß führt zu einem gefühlten Erfolgserlebnis, auf das manche nicht mehr verzichten können. Zu den typischen Abhänigkeitssymptome gehören ein unkontrollierter, stundenlanger Konsum, die stetige Erhöhung der "Dosis", eine ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Suchtverhalten, misslingende Reduzierungsversuche sowie Entzugserscheinungen bspw. in Form von Aggressivität, wenn das Suchtmittel einmal nicht zur Verfügung steht. Die Folgen seien nicht nur psychischer Natur, sondern beträfen auch das soziale Umfeld: "Die Betroffenen vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse, ihre beruflichen bzw. schulischen Verpflichtungen und ihre sozialen Kontakte. Sie verheimlichen und bagatellisieren das eigene Suchtverhalten und geraten mitunter sogar in finanzielle Verschuldung."

Im Antrag fordern die Grünen eine umfassende Erforschung des Krankheitsbildes, einen Ausgabu von Beratungs- und Therapiemöglichkeiten, die Fortbildung von Suchtberaterinnen und - beratern entsprechend anzupassen, Begrenzung der wöchentlichen Spielzeit für Minderjährige. Darüberhinaus werden von den Herstellern und Vertreibern, "die Medieninhalte konzipieren und anbieten, die Abhängigkeit verursachen oder zumindest fördern können" verlangt" Maßnahmen zum Schutz vor diesen Abhängigkeiten" zu ergreifen, z.B. verpflichtende "Warnhinweise, die auf das Suchtpotential hinweisen," oder "Spieldauereinblendungen".

Die Grünen setzen auch auf Aufklärung. Durch Informationund Bildung soll zu einer verbesserten Medienkomptenz bei Eltern wie Kindern und Jugendlichen beitragen werden. Medienkompetenz soll zudem "verstärkt zum Bestandteil der beruflichen Aus- und Weiterbildung gemacht" werden.

(Quelle: Golem /Heise)

Weitere Informationen
"Medienabhängigkeit bekämpfen - Medienkompetenz stärken" Antrag der Fraktion der Grünen
Medien und Sucht auf der Internetseite der Grünen m Bundestag

Fernsehberichte
Computerspielsucht - Beitrag in Panomara/ARD bei YouTube
Computerspielsucht bei Johannes B. Kerner

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